Katrin Bernhardt

Biografie

Performance “praying before hunting”

In der westlichen Welt verlieren althergebrachte, oft religiös konnotierte Rituale immer mehr an Bedeutung, Gleichzeitig ist das Bedürfnis nach Riten ungebrochen, wobei sich dieses nun vermehrt in der Esoterik, im Neuheidentum, in Babypartys, aber auch in den Ritualen von sportlichen Großevents niederschlägt. Rituale benötigen in vielen Fällen die Anwesenheit eines/einer Anderen. Keine leichte Aufgabe bei einer Dichte von Singlehaushalten, die jenseits der 35%-Marke liegt! Und wer besitzt in der Großstadt schon ein Stück Land, um sich eine Opfergrube auszuheben?

Bernhardt übersetzt innerhalb ihres Kunstprojekts jahrtausendalte Riten in die Moderne, ohne dabei einen Anspruch auf historische Authentizität zu stellen. Sie geht in die Wälder, zeichnet Ritualkreise auf den Boden, streut Federn und malt auf Felsen. Aber so wie die Fellbekleidung dem schwarz-weißen Businessoutfit gewichen ist, so wurde die Rötelfarbe durch Acrylfarbe ersetzt. Noch gibt sich die Managerin ein wenig der Illusion hin, durch den Einbezug von Naturmaterialien wie Schwämmen, Rinde oder Bast einen Rückbezug auf alte Traditionen herstellen zu können. Aber auch diese können nicht hinwegtäuschen, dass sich der heutige Mensch von der naturverbundenen Höhlenmalereien, wie wir sie aus Lascaux und Altamira kennen, weit entfernt hat.

Es gilt nicht mehr den Hunger auf Nahrung zu stillen. Bernhardt zeichnet keine zu erlegenden Jagdtiere, sondern Luxusprodukte: Chanel-Taschen, Jachten, Diamanten, Rolex. Sie zeigt das stetige Steigerungsspiel der Statussymbole. Die Jagd und den Hunger der Post-Moderne.